Thelma – eine planlose, pannenfreie Jacke

Jacke Thelma - La Maison Victor - Schneidersitz

Manchmal kosten Nähprojekte Nerven, obwohl man sie vorher haarklein durchgeplant und bestens vorbereitet hat. Und manchmal läuft alles total glatt, obwohl es überhaupt keinen Plan gibt. So war das mit meiner neuen Jacke Thelma. …

Für meinen im Januar gestarteten Nähkurs hatte ich mir vorgenommen, eine Jacke zu nähen. Stoff lag schon seit einer Weile bereit. Nur der passende Schnitt ließ auf sich warten. Etwas länger sollte sie sein, ohne Kragen und ohne Verschluss. Eher eine Art Cardigan, aber aus Webstoff. Mangels Alternativen entschied ich mich dann für eine verlängerte Version von „Mona“ aus La Maison Victor, die ich schon ewig nähen will. Der Schnitt war längst abgepaust und ausgeschnitten, auf Instagram hatte ich die Pläne auch schon verkündet, aber irgendwas störte mich und so blätterte ich mich noch mal durch meine gefühlt 1637 Schnittmuster. Ich muss Euch demnächst mal von meiner gerade laufenden Trello-Katalogisierungsaktion berichten, mit der ich versuche, mir da einen Überblick zu verschaffen, aber das könnte eine längere Geschichte werden.

Jacke Thelma - La Maison Victor - Schneidersitz

Auf jeden Fall fand ich dann Thelma, ebenfalls von La Maison Victor. Das Modell hatte mich im Magazin erstmal nicht überzeugt, und auch die genähten Beispiele, die ich auf dem ein oder anderen Blog gesehen hatte, entsprachen nicht ganz dem, was ich mir vorgestellt hatte. Aber die technische Zeichnung verriet, dass es doch mit ein paar Änderungen in die richtige Richtung gehen könnte. Also pauste ich kurzerhand zwischen Feierabend und Kursbeginn schnell noch den Schnitt ab. In der Regel sind bei solchen Hauruckaktionen Fehler ja vorprogrammiert (Wer hat sich das mit diesen ununterscheidbar gestrichelten Linien eigentlich ausgedacht?). Aber mysteriöserweise ging alles gut.

Jacke Thelma - La Maison Victor - Schneidersitz

Die nächste todsichere Fehlerquelle wären eigentlich die vielen Schnittteile gewesen. Es gibt zweiteilige Raglanärmel und Teilungen in Vorder- und Rückenteil. Bis auf die Belege sehen alle Einzelteile auf den ersten Blick gleich aus. Ich habe sicherheitshalber den Papierschnitt immer schön brav an den Stoffzuschnitten stecken lassen. Und siehe da: Alles landete da, wo es hingehört.
Die Ärmel musste ich um einige Zentimeter verlängern und auch an Vorder- und Rückenteilen habe ich etwas zugegeben, weil mir die Proportionen so stimmiger erschienen. Kurzfristig dachte ich, es könnte eng auf dem Stoff werden, aber er reichte gerade eben aus.

Apropos Stoff. Gekauft habe ich ihn im letzten Frühjahr auf dem holländischen Stoffmarkt. Auf die Frage nach dem Material antwortete die Verkäuferin damals mit: „Naja, das ist von allem etwas drin.“ Nun denn. Auch die Webart ist für mich schwer zu definieren. (Ich werde mir wohl doch mal ein Stoffkunde-Buch zulegen müssen.) Der Stoff sieht rechts fischgrätartig aus, auf der linken Seite aber eher gerippt. Wahrscheinlich ist es auch gar kein Kleidungsstoff, sondern einer für Sofabezüge oder so. Aber egal, ich finde ihn sehr schön. Und die Farbe, ein dunkles Blauviolett gefällt mir auch. Er franst allerdings schnell aus, so dass ich die Einzelteile direkt rundum mit der Overlock versäubert habe. Das Geräusch beim Aufeinandertreffen von Stoff und Messer hat zu irritierten bis besorgten Blicken der anderen Kursteilnehmer geführt. Ich hab’s auf das stumpfe Messer geschoben, aber ehrlich gesagt befürchte ich, dass es erst nach meiner Aktion stumpf war.

Jacke Thelma - La Maison Victor - Schneidersitz

Die Jacke ist eigentlich ein Oversize-Modell. Im Heft wird aber schon vorgeschlagen, eine Nummer kleiner zu wählen, wenn man sie etwas körpernäher haben möchte. Das habe ich dann auch glatt gemacht und an den Schultern saß sie sofort super. Nur unter den Armen „staute“ sich der doch etwas steife Stoff, so dass ich die Naht hier noch um 2 cm nach innen gesetzt habe.
Den vorgesehenen Reißverschluss habe ich einfach weggelassen. Die Belege und Saumzugaben sind innen von Hand angenäht. (Das hat länger gedauert als Schnittkopieren, Zuschneiden und Nähen zusammen).
Am Ärmel ist der Umschlag übrigens zehn Zentimeter breit, so dass man ihn umkrempeln kann, ohne dass die Nahtzugaben zu sehen sehen. Ein wirklich schönes Detail, was mir als ¾-Ärmel-Fan sehr entgegen kommt. Und Taschen gibt’s auch noch, woohoo.

Jacke Thelma - La Maison Victor - Schneidersitz

Insgesamt war die Jacke dann an zwei Abenden genäht und ich bin total glücklich mit dem Ergebnis. Vielleicht sind solche spontanen Nähaktionen doch gar nicht so schlecht wie ihr Ruf. Was klappt bei Euch besser? Minutiöse Planung oder lieber einfach aus dem Bauch heraus?

Schöne Grüße

Christine

PS: Beim MeMadeMittwoch zeigt Katharina heute auch ein schickes Jäckchen.


Schnitt: Thelma – La Maison Victor 1/2016
Stoff: Stoffmarkt Holland

Blusen-Sew-Along: Blumen für Finalistin Elsa

Bluse Elsa, La Maison Victor, Schneidersitz

Durch den Blusen-Sew-Along habe ich in den letzten drei Wochen so viele Blusenschnitte, Blusenstoffe und eben Blusen gesehen, dass ich auf der einen Seite vor lauter Inspiration nur noch Blusen nähen möchte und auf der anderen Seite jetzt auch erst mal genug habe von Blusen. Ein merkwürdiger Zustand. Blusen-Blues nennt man das wohl. Kommen wir jetzt aber zu meiner Bluse. … weiterlesen …

Blusen-Sew-Along: Schnittmustertetris mit Elsa

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Nachdem ich in der letzten Woche noch ratlos alle möglichen Schnitt-Stoff-Kombinationen im Kopf durchspielte, bin ich heute schon einen großen Schritt weiter. Danke für alle Eure Anregungen, hier und bei Instagram. Ein besonderer Dank geht an Lena, die mich dazu angeregt hat, noch mal kritisch zu hinterfragen, was für ein Blusentyp ich eigentlich bin. Und so schön ich Schluppen und Volants an anderen auch finde: „verspielt“ oder „romantisch“ sind Eigenschaften, die auf mich einfach nicht zutreffen.

Die Wahl fiel schließlich auf den Schnitt Elsa von La Maison Victor, ein klassischer Schnitt mit Kragen, Schulterpasse und verdeckter Knopfleiste. … weiterlesen …

Capsule vs. Colourful – ein grüner Pullover und ein paar Gedanken über Farben

Grüner Pullover - Burda - Schneidersitz

Selten habe ich mir beim Nähen eines Kleidungsstückes so viele Gedanken gemacht wie bei meinem neuen grünen Pullover. Und dabei ging es noch nicht einmal um den Pullover, sondern um die Frage, wieviel Farbe in (m)einen Kleiderschrank gehört.

Eigentlich hatte ich geplant mich 2017 wieder intensiver mit den verschiedenen Capsule Wardrobe-Konzepten zu beschäftigen. Doch dann verkündete Selmin von Tweed & Greet das Motto ihrer neuen Aktion: 12 Colours of Handmade Fashion. Im ersten Moment war ich etwas verstört, denn diese beiden Ansätze schienen sich zu widersprechen. Auf der einen Seite geht es um „Weniger“ – weniger Kleidungsstücke und auch weniger Farben. Auf der anderen Seite ist das Motto „Mehr“, nämlich „Mehr Farbe im Kleiderschrank“. … weiterlesen …

Blusen-Sew-Along: Schnitt und Stoff

Im Nähfreundschaftsalbum (Gibt’s sowas?) würde ich bei Lieblingskleidungsstück „Bluse“ eintragen. Ich mag es, eine schön fließende Viskose-Bluse zu tragen, mit der ich mich gleich ein bisschen schicker und „besser angezogen“ fühle als mit einem Jerseyshirt, obwohl sie eigentlich lässiger fällt. Blusen gehören zu meinem Standard-Arbeitsoutfit – an normalen Bürotagen mit Jeans und Cardigan, wenn wichtige Termine anstehen mit Rock oder Stoffhose, Blazer oder längerer Jacke. Aber auch in meiner Freizeit werde ich in letzter Zeit immer mehr zum Blusentyp. Allerdings sind die meisten Modelle im Schrank gekauft. Genäht habe ich erst drei: die mintfarbene Bluse mit Stehkragen, die „Donna“ mit Knopfleiste in Pink und ein Hemdblusenkleid. … weiterlesen …

Blazer-Premiere mit Schulterpolster-Revival

Fischgrät-Blazer - Schneidersitz

UFO-Abbau steht ganz weit oben auf meiner Liste der guten (Näh-)Vorsätze für 2017. Hochmotiviert habe ich schon vor Silvester mit der Umsetzung losgelegt und meinen allerersten Blazer nach rund einem Jahr In-der-Ecke-liegen fertiggestellt. Dafür klopfe ich mir selber mal auf die Schulter – und das mit Schwung. Kann nix passieren, die Schulter ist nämlich gut gepolstert. Was wiederum der Grund dafür ist, dass der Blazer ein Jahr lang in der Ecke lag. Das kam so: … weiterlesen …

Gute Vorsätze fürs Nähjahr 2017?

Nähnerd-Neujahrs-Bingo - Schneidersitz

Der Jahreswechsel steht kurz bevor. Zeit für gute Vorsätze – und für gute Ratschläge, wie man diese Vorsätze diesmal tatsächlich, jetzt aber wirklich, ohne Kompromisse, nicht so halbherzig wie letztes Jahr, konsequent, ganz ohne Rückfall umsetzen kann. Es gibt wohl kaum ein Wartezimmer-Magazin, das nicht wüsste, wie’s geht – theoretisch.
Ich dachte eigentlich, ich hätte keine guten Vorsätze für 2017. Mein Stresspegel ist im grünen Bereich, Rauchen tu‘ ich eh nicht, ich bewege mich regelmäßig und abnehmen will ich auch gerade nicht. Während die Top 10 der häufigsten Neujahrsvorsätze für mich also ungefähr so interessant sind wie – sagen wir mal die Top 10 der Death Metal Charts, gibt es da ein paar nähspezifische Vorsätze, für die eine Top 10-Liste zu kurz wäre. Und da ich die leise Ahnung habe, dass ich nicht die Einzige mit diesen Vorsätzen bin, gibt es jetzt mein kleines Nähnerd-Neujahrs-Bingo*. Weiterlesen „Gute Vorsätze fürs Nähjahr 2017?“