Karo mit Komplikationen

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Dass Katha als Septemberbuchstaben der 12 letters of handmade das K zog, kam mir sehr gelegen. Auf meiner Nähliste stand schon seit einer Weile eine etwas schickere Hose fürs Büro, für die ich auch schon vor einiger Zeit einen karierten Stoff gekauft hatte. Karo, klassisch, ein wenig konservativ, aber unkompliziert. Wie, das gilt nicht, wenn das K erst der dritte Buchstabe ist?

Ausgewählt habe ich den Schnitt 11 „Pencil Shape“ aus der Ottobre 5/2015. Nachdem ich bei meinen beiden vorherigen Ottobre-Hosen einiges anpassen musste, habe ich diesmal ausgiebigst gemessen, passende Hosen auf den Schnitt gelegt, noch mal gemessen. Dann in Größe 44 zugeschnitten und die Beine grob geheftet, um zu testen, ob es diesmal passt. Bei der ersten Anprobe war ich fasziniert: Ich hatte noch nie eine Hose, die so gut gesessen hat – nicht zu weit, nicht zu eng, keine Falten an komischen Stellen, alles perfekt. Hochmotiviert habe ich mich dann ans richtige Zusammennähen gemacht. Zur Belohnung hat die Hose ein hübsches Taschenfutter mit Schleifchen bekommen (Reste von einer Schlafanzughose).

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Voller Optimismus habe ich den Reißverschluss mit Untertritt eingenäht und das zum allerersten Mal ohne Auftrennen, Fluchen und abschließendes „Sieht komisch aus, aber ich lass das jetzt so“ hinbekommen. Immer noch voller Vorfreude zog ich die Hose dann noch einmal an – und rums, zurück auf dem harten Boden der Realität. Ich bekam sie kaum über die Hüften. Ein seltener Fall von spontaner Stoffschrumpfung oder – was mich noch mehr beunruhigen würde – unkontrollierbares Oberschenkelwachstum. Ich musste also die Seitennähte noch mal auftrennen und das Maximum aus der Nahtzugabe herausholen. Wieder anprobiert. Besser. Könnte gehen, wenn sich der Stoff beim Tragen noch etwas weitet. Und wenn ich auf Unterwäsche verzichte. Also eher nicht.

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So landete das gute Stück erstmal in der Ecke, um am nächsten Morgen noch einmal anprobiert zu werden. Und siehe da, plötzlich passte es wieder. Auf einer Seite. Die andere war immer noch zu eng. Erklärungsvorschläge werden gerne angenommen.
Grummelnd entschied ich mich dann doch, die Hosenbeine noch einmal zuzuschneiden, allerdings nur die hinteren. Liebe Nählehrerinnen dieser Welt, ich weiß, das macht man nicht, gleichmäßig weiten und so, aber vorne saßen ja schon die hübschen Taschen und der lehrbuchmäßige Reißverschluss, die ich nie wieder so schön hinbekommen hätte.

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Zum Glück hatte ich noch genug Stoff, übrigens ein schnellknitterndes Leinen-Wolle-Poly-Gemisch, von dem ich gleich noch etwas mehr für den passenden Blazer gekauft hatte. Ob es dafür jetzt noch reicht? Nur wenn meine Oberarme nicht auch plötzlich wachsen.
Die Hose jedenfalls saß dann mit ein paar Zentimetern mehr im oberen Drittel wieder gut. Am Unterschenkel konnte ich sie sogar noch etwas enger machen (haha). Jetzt hat sie zwar eher Karottenform als Pencil Shape, aber das passt ja gut zum K.

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Apropos K, eigentlich hätte natürlich noch ein Knopf das K-Konzept komplettieren müssen, aber für die Suche nach dem passenden haben meine Nerven dann nicht mehr gereicht. Als Kompromiss (hah!) gibt es nur einen Bundverschluss.

Komfortable Grüße
Christine (die sich jetzt ein U wie „unkompliziert“ wünscht)

PS: Beim MeMadeMittwoch gibt es heute die letzten sommerlichen Kleider und andere schöne Sachen zu sehen – und mehr hoffentlich konfliktfreie Kleidung mit K am 30. bei kathastrophal (Nö, der Name ist kein böses Vorzeichen.).

Mélodie, Moderegeln und Mädchenfreundschaften. Über ein Jerseykleid

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Mélodie und ich lernten uns im Frühjahr kennen. Aus einer eher zufälligen Begegnung und anfänglichen Vorurteilen ist mittlerweile eine enge Freundschaft geworden. Wie es dazu kam:

Für die warmen Tage wollte ich mir ein schönes leichtes Kleid nähen. Mélodie war eigentlich nur das Probekleid, genäht mit einer großen Portion Skepsis. Obwohl ich auf Probekleider sonst in der Regel verzichte (nicht aus Faulheit, sondern weil ich es langweilig finde, zweimal hintereinander das Gleiche zu nähen), hatte ich mich dieses Mal doch für eine Testvariante entschieden. Das lag zum Teil daran, dass ich mich – wie bei jedem Kleiderschnitt – zwischen drei Größen bewegte und die Erfahrungsberichte, die ich zu diesem speziellen Schnitt fand, die Entscheidung auch nicht leichter machten.

Der eigentliche Grund meines Zögerns aber war – und jetzt kommen wir zu einem für viele sicher schockierenden Bekenntnis: …hinsetzen, tief durchatmen, weiterlesen…

Sport ist ihr Hobby

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Für das S bei den 12 letters of handmade fashion gab es bei mir nur eine Option: Sportsachen! Beim Sport hat ja jeder so sein Motto: „Dabei sein ist alles.“ „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ „Sport ist Mord.“ Mein Motto ist: „Man sollte nie sportlicher aussehen als man ist.“ Manchmal sehe ich Leute, die vom Stirnband bis zu den Socken in die neueste superstylische Kollektion von Ausrüster XY gehüllt sind, dazu wahlweise noch Hightech-Schuhe, Hightech-Laufuhr, Hightech-Fahrrad oder Öko-fairtrade-Yogamatte. Wenn’s dann ans Bewegen geht, zeigt sich, dass ein schickes Outfit regelmäßiges Üben nicht ersetzen kann.
Da ich das mit dem regelmäßigen Üben aber auch nicht so genau nehme, setze ich gerne auf etwas Understatement beim Sportoutfit. …weiterlesen…

Musterschülerin. Oder: Warum meine neue Bluse lieber eine Hose sein wollte.

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Ich habe eine Art Musterphobie. In meinem Kleiderschrank gibt es fast nur Einfarbiges – abgesehen von Streifenshirts (Aber das zählt nicht, oder?) und ein paar sehr dezenten Ton-und-Ton-Mustern. Obwohl mir gemusterte Kleidungsstücke eigentlich oft gut gefallen – auf dem Bügel, oder an anderen. Aber an mir? Schwierig. Allerdings versuche ich gerade mich selbst zu therapieren. Neulich fand ich bei Stoff und Stil in Köln diesen sehr schönen Viskose-Webstoff mit blau-weißem Rauten-Muster. Perfekt für eine Bluse, dachte ich mir. Zuhause vor dem Spiegel drapierte ich ihn dann noch mal um meine Schultern und begann zu zweifeln. Vielleicht doch ein bisschen viel, irgendwie erschlägt dich das. Vielleicht wenn keine Ärmel dran sind? Und der Ausschnitt tiefer? Oder ich mach ’nen Kimono draus, dann kann ich noch was Einfarbiges drunter tragen? Ich grübelte ein paar Wochen lang, bis mir dann neulich an den heißen Tagen auf der Straße immer mal wieder Frauen in bunt gemusterten Hosen auffielen. Damit konnte ich mich dann schon mehr anfreunden. …weiterlesen..

Denim auf Dänisch

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Seit ungefähr einem halben Jahr lerne ich Dänisch. Warum? Weil ich dänisches Design liebe, Kopenhagen toll finde und gerne Lakritz esse. Und weil ich dienstags abends noch nichts vorhatte. (Wenn Ihr mal richtig lachen wollt, geht in einen Dänisch-Kurs. Diese Aussprache!) Nun macht aber die VHS seit zwei Wochen Sommerferien. Ich könnte mich einfach mit dem Lehrbuch hinsetzen und ein paar Lektionen wiederholen. Aber mal ehrlich: Wer will denn wissen, was „Briefmarke“, „Fahnenstange“ und „Schinkensandwich“ auf Dänisch heißt? Viel wichtiger sind doch die Übersetzungen von „Schnittmuster“, „nähen“, „Ich hätte gerne einen Meter fünfzig von diesem Stoff“. …weiterlesen…

Donna und die sieben Knöpfe

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Es ist Sommer. Steht zumindest im Kalender. Zeit für leichte Stoffe und knallige Farben. In der Ausgabe Mai/Juni 2016 von La Maison Victor gibt es die ärmellose Bluse „Donna“, von der ich schon die ein oder andere schöne Version gesehen habe. Ein ganz einfacher Schnitt, schnell zu nähen und ein passender Stoff lag auch schon parat: pinkfarbene, weich fallende Viskose-Webware von Stoff+Stil. Was spricht also dagegen, die Bluse mal eben zu nähen? …weiterlesen…

B wie buntes Boucléjäckchen

 

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Wenn das hier ein Bericht über ein EM-Spiel wäre, würde die Überschrift lauten: „Angstgegner Frankreich mit 3:0 besiegt“. Denn ich hatte vor dem Anpfiff wirklich großen Respekt und habe sie dann alle an die Wand gespielt. Yeah! Aber hier geht’s ja nicht um Fußball, sondern ums Nähen. Also noch mal von vorne: … weiterlesen …